Verkaufen auf Facebook – Alles nur heiße Luft?

Verkaufen auf Facebook – Alles nur heiße Luft?

Noch im letzten Jahr waren “Verkaufen über Facebook”, “Social Media-Marketing” oder auch “Social Commerce” die Megatrends. Der ganz große Boom.  Jetzt, nur wenige Monaten später macht sich allerorten Enttäuschung breit. Der Hype ist verebbt, die Luft ist raus aus der Geld verdienen mit Facebook, Twitter und Co.-Blase. War die ganze Euphorie also nichts weiter als heiße Luft?

Es war einmal ein ganz großes Ding …

So sah es zumindest der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor ziemlich genau einem Jahr:

“Wenn ihr mich fragt, ist Social Media das nächste große Ding, was explodieren wird.”

Mit dieser Ansicht stand er nicht alleine. Wer kann sich nicht noch an die vielen Programme, Prognosen, Visionen und Versprechungen zum Thema Geld verdienen mit Facebook, F-Commerce oder ganz generell Social Commerce erinnern? Die komplette Internet-Marketing-Branche war fasziniert von den vielen neuen, noch ungeahnten, überhaupt noch nicht zu beschreibenden Möglichkeiten, die Facebook, Twitter und Co. einem jeden Händler, egal ob On- oder Offline, schon bald bieten würden. Sämtliche Marketing-Konzepte müssten komplett umgeschrieben und neu erdacht werden: Alle Verantwortlichen sollten schnellstmöglich komplett umdenken.

Alle machten mit – bis auf einen

Nur, so echte Ahnung oder gar eine klare Vorstellung, wie man mit Facebook tatsächlich Geld verdienen konnte, hatte niemand. Klar, viele Marketing-Experten und noch mehr von denen, die sich dafür hielten, hatten eine Idee, ein Konzept, einen Masterplan, gut verpackt in Infoprodukten, Büchern, Workshops, Semi-, Webi- und Videonaren, Klubs und Kongressen.

Mit Hypothesen, Vermutungen und Spekulationen, was alle Expertenmeinungen ja aufgrund fehlender einschlägiger Erfahrungen, zwangsläufig waren, lies sich richtig gutes Geld kassieren, den jeder musste schließlich irgendwie dabei sein, beim neuen Blockbuster-Boom. Manch einer hatte schon das Internet im Ganzen verschlafen, aber das sollte mit der neuen Kommunikationsrevolution nicht noch einmal passieren. Viele Firmen brauchten Jahre bis Jahrzehnte, um überhaupt einen Onlineshop auf die Beine zu stellen (siehe Media-Markt), aber bei Facebook hatte man jetzt die Chance vom so gut wie ersten Social-Commerce-Tag an dabei zu sein.

Was fehlte war nur die eine zündende Idee. So richtig etwas anzufangen wusste man mit Facebook firmentechnisch leider nicht. Bisher hatte man sich ja eher zurückgehalten im Kontakt mit seinen Kunden. Weniger war da eindeutig mehr. Weniger Kundenkontakt = weniger Beschwerden = mehr zufriedene Kunden, so die klassische „Offline-Rechnung“. Erschwerend kam hinzu, daß die Facebook-Nutzer törichterweise nicht nur mit dem Unternehmen, sondern und daß noch viel mehr, miteinander und oh Schreck, möglicherweise auch noch über das Unternehmen reden würden. Die reine Horrorvorstellung für so manche Firmen-Marketingbeauftragte. Lawinen könnten losgetreten werden. Das Modewort “Shitstorm” wurde geboren und machte die Medienrunde. Social-Media? Unmöglich, weil unkontrollierbar. Man hatte ja schon genug zu tun mit diesen ganzen Kundenmeinungen und Produktbewertungen bei diversen Internet-Portalen. Und jetzt sollte man seinen Kunden auch noch selbst die Möglichkeit geben, Kritik, Beschwerden und Pöbeleien direkt auf der Firmenfanpage loszuwerden?

Es dauerte oft eine ganze Weile misstrauische bis verängstigte Firmen dazu zu bringen, auch die möglichen positiven Aspekte einer solch hautnahen Berührung mit den „gefährlichen“ Kundenmassen schmackhaft zu machen. Hierfür wurden die tollsten Pläne und Konzepte entwickelt. Erst einmal müsse eine große Fanbasis aufgebaut werden. Darum komme man nunmal nicht herum. Also müsse man in Social-Marketing (und -Experten) investieren. Aktionen starten, von sich und über sich reden machen und lassen, Rabatte und Gutscheine unters Facebook-Volk werfen, irgendwie Aufsehen erregen, dabei aber tunlichst jedes öffentliche Ärgerniss vermeiden. Zur Not und nur zum Anschub könne man sich auch ein paar Fans kaufen.

Diese so produzierten Fanmassen müsse man im zweiten Schritt dann sachte dazu bewegen in unbedingt und eindeutig positiver Form mit dem Unternehmen, der Marke zu kommunizieren und wenn möglich, auch über das Unternehmen bzw. die Marke. Image war hier erst einmal alles. Das Ganze könnte und sollte man auch wieder mit ein wenig finanziellem Einsatz in Form von Belohnungen unterschiedlichster Art unterstützen. Rede Gutes über unser Unternehmen und wir tun Gutes für dich. Daß das möglicherweise rechtlich nicht einwandfrei sein könnte, kam keinem Experten in den Sinn.

Mangels Masse – keine Explosion

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Wie schon gesagt, an Ideen und Innovationen mangelte es zu keiner Zeit, aber wenn es dann irgendwann um des Pudels Kern, nämlich das Geldverdienen statt Geld ausgeben ging, war die Euphorie zumindest bei den Firmen meist sehr schnell vorbei. Sich als Fan zu bekennen um Rabatte und Gutscheine abzuräumen war aus Kundensicht voll in Ordnung, aber wenn es um Kaufen im eigentlichen, von den Unternehmen letztendlich beabsichtigten Sinne ging, waren die Kunden nicht mehr so leicht zu bewegen. Zu reden, mögen, teilen, liken, kommentieren und kommunizieren im Großen und Ganzen ist der Kunde gern bereit. Zum Geld ausgeben ganz speziell dagegen nicht. Nur zwei Prozent der Facebook-Nutzer haben bis heute überhaupt etwas über Facebook eingekauft. Alle machten mit – nur einer nicht – der Kunde. Der zündende Funke sprang einfach nicht über. Die Zuckerberg-Explosion blieb mangels Masse bisher aus.

Wie es scheint, ist zumindestens eine der  funktionierenden Geschäftsideen in Bezug auf Geld verdienen mit Social Media, Produkte und Dienstleistungen zum Thema Geld verdienen mit Facebook, Twitter, Google+, Social Media oder Social Commerce zu verkaufen. Jeder will Geld verdienen, indem er anderen zeigt, wie er mit dem Thema Social Media/Internet-Marketing Geld verdient. Dieser versucht dann wiederum selbst Geld zu verdienen, indem er, wie er es ja gerade gelernt hat, anderen zeigt, wie er mit dem Thema Social Media / Internet-Marketing Geld verdient. Dieser wiederum versucht dann … aber lassen wir das.

Das eigentliche Problem ist: Geld ausgeben scheint nicht oder zumindest noch nicht, sozial genug zu sein oder es wird nicht sozial genug verkauft. Die Kunden sind nicht annähernd so aufgeschlossen gegenüber dem Thema Social Commerce, wie in den zurückliegenden Hype-Monaten von vielen Experten angenommen. Die Kunden sehen Facebook und Co. nicht als Verkaufsplattform. Viele fühlen sich gar gestört, wenn allzu eindringlich versucht wird, Ihnen Werbung zu präsentieren. Allen Erfolgsmeldungen von Facebook zum Trotz. Die übergroße Mehrzahl der Facebook-Nutzer hat nicht die Absicht, Facebook als Onlineshop zu nutzen.

  • Lediglich 15% der Facebook-Nutzer äußerten in einer Studie überhaupt Interesse am F-Commerce.
  • Die übrigen 83% zeigen sich desinteressiert  – oder sogar ablehnend.
  • 88% zieht den Onlinekauf im klassischen Onlineshop einem Einkauf via Facebook ganz klar vor.

Diese Zahlen werden Facebook, gerade im Angesicht des angestrebten Börsengangs, nicht gefallen. Man versucht dem auch zumindest verbal gegenzusteuern, ist aber eher Teil des Problems als der Lösung, denn ein gewichtiger Grund für die Ablehnung bzw. Skepsis der Facebook-Nutzer in Bezug auf F-Commerce ist das Thema Datensicherheit. 75,1% der Facebook-Nutzer haben diesbezüglich Bedenken. Genau so viele sagen aber auch ganz klar, daß sie in ihrem Netzwerk ausschließlich kommunizieren und eben nicht konsumieren wollen.

Diese Kommunikation kann sich aber auch gerne mit Produkten und Angeboten beschäftigen. 18,8% der Facebook-Nutzer finden es nämlich gut, daß sie dort Angebote mit Freunden teilen können und immerhin 11% finden es bequem auf Facebook zu shoppen, weil sie sich eh häufig dort aufhalten.  Diese erwarten dann aber auch Exklusiv-Angebote oder Fan-Artikel, die am besten auch noch deutliche Preisvorteile bieten.

Quelle: 33. WWW-Benutzer-Analyse W3B, Oktober/November 2011, Fittkau & Maaß Consulting, www.fittkaumaass.de , http://www.w3b.org/e-commerce/einkaufen-auf-facebook-unattraktiv.html

Mangels Erfahrung –  kein Erfolg

Das Social-Commerce demnächst, wie von Herrn Zuckerberg vorhergesagt, zu einem Massenmarkt, dem nächsten großen Ding, explodieren wird, kann man aufgrund der erwähnten Zahlen wohl guten Gewissens ausschließen. Natürlich muss man zur Entschuldigung aller allzu optimistischen  Social-Media-Experten anführen, daß Social Commerce ein völlig neuer Marketing-Bereich ist. Niemand konnte deshalb wirklich wissen, wie effektives Social-Media-Marketing überhaupt funktionieren würde. Niemand konnte vorhersagen wie sich die neue Spezies der Facebook-, Twitter- oder Google+-Nutzer marketingtechnisch erreichen ließe. Ideen gab es eine Menge. Angefangen von einfachen Werbeaktionen auf Fanpages, über Social-Media-Shops, Rabatt- und Gutscheinaktionen bis hin zu spektakulären Guerilla-Marketingaktionen und den diversen Marketing-Möglichkeiten die Facebook selbst im Laufe der Zeit zur Verfügung stellte.

Was es dagegen nicht gab, waren wirkliche Erfahrungen, Zahlen oder längerfristige und damit wirklich belastbare Statistiken wie die oben erwähnte von Fittkau & Maaß Consulting. Jede neue Marketingidee basierte anfangs auf Vermutungen, wie die Social-Media-Nutzer wohl drauf reagieren würden. Jede Marketingidee, die daraufhin auch nur den Ansatz von Erfolg versprach, wurde zum nächsten großen Hype aufgeblasen. Dazu wurden dann hundert Nutzer befragt und wenn von denen dann zumindest fünf begeistert waren und angaben, sich möglicherweise irgendwann irgendwie einmal vorstellen zu können, in Zukunft vielleicht einmal ein Produkt über Facebook zu kaufen, war der neue Megatrend einmal mehr empirisch belegt, nachgewiesen und nicht mehr von der Hand zu weisen.

Jetzt liegen erstmals relevante Zahlen aus diversen, unabhängigen Quellen bezüglich Social Commerce vor und die sprechen eine eindeutige Sprache: Social Commerce ist alles andere als ein Megatrend oder gar “das nächste große Ding, das explodieren wird”. Es wird auch auf absehbare Zeit keiner werden. Zumindest nicht mit den bisher angewandten Marketing-Methoden. So, wie es jetzt probiert wird, funktioniert Social Commerce nicht. Bei der Frage, ob es überhaupt jemals, und wenn ja, wie überhaupt funktionieren sollte, ist man nicht weiter als vor einem Jahr. Was man mittlerweile dazu gewonnen hat, ist einiges an Erfahrung, wie es auf jeden Fall nicht funktioniert. Das ist immerhin ein Anfang.

Das soziale Kauferlebnis

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Neuerdings wird im Zusammenhang mit Social Media bzw. Social Commerce immer mehr auch von Kundenbeziehungsmanagment gesprochen. Mittlerweile hat sich die Sicht auf die verschiedenen Social Media Kanäle gewandelt. Es ist nicht mehr die Rede vom Verkaufen über Facebook, aber trotzdem werden Facebook, Twitter, Google+ und Co. als eindeutig kaufrelevant angesehen. Als wichtiger Teil des Marketing-Paketes, allerdings nicht mehr als alleiniger Umsatzbringer. Social Media verändert tatsächlich das Kauferlebnis und damit das Kaufverhalten der Nutzer. Das Kaufen selbst wird nicht mehr nur als pure, technokratische, rationale Handlung gesehen. Kaufen wird immer mehr als soziales Erlebnis verstanden. Man teilt es mit Freunden, lässt sich von denen auch online anregen, inspirieren, holt sich von ihnen Rat als Entscheidungshilfe. Berichtet nach dem Kauf ausgiebig über seine eigenen Erfahrungen und nimmt somit für andere selbst die Rolle eines Ratgebers ein.  Dieses Verhalten ist alles andere als neu. Schon immer hat man sich auf Freunden auf Partys oder mit dem Nachbarn beim Plausch über den Gartenzaun nicht nur übers Wetter, sondern auch über das neueste Auto-, Rasenmäher- oder Bikinimodell ausgetauscht.

Mit dem Internet wurde diese Art des Meinungsaustauschs ausgedehnt auf  die große, weite Welt jenseits des Gartenzauns. Preissuchmaschinen, Shopping-Communitys oder sogar spezielle, themenorientierte Verbraucher-Foren und -Communitys boten und bieten Käufern jede Menge Gelegenheit von ihren Erfahrungen zu berichten und Interessenten jede Menge Möglichkeiten sich vor dem Kauf über ein Produkt zu informieren. Sich anhand der Meinungen anderer eine eigene Meinung zu bilden. Das ist nichts anderes als Social Media. Onlinehändler wie Amazon haben das schon lange erkannt und animieren Käufer geradewegs dazu ihre Meinung kundzutun. Ebay baute sogar von Anfang an sein ganzes Geschäftskonzept darüber auf, denn die Verkäuferbewertungen bei Ebay sind nichts anderes als Kundenmeinungen, Social Media!

Was Facebook und vor allem auch Google+ neu hinzufügen, was heutzutage als eigentliches Social Media Erlebnis wahrgenommen wird, ist die Entanonymisierung der Bewerter. Denjenigen, der bei Ebay, Amazon oder einem Preisportal ein Produkt oder einen Verkäufer bewertet, kennt man normalerweise nicht persönlich. Er ist eine anonyme Person. Denjenigen, der einem bei Facebook ein Produkt empfiehlt, kennt man dagegen oft sehr genau. Wenn man liest das dem einen Freund dieses Produkt gefällt oder daß jene Freundin gerade jenes gemacht hat, wirkt das (diese Meinung, diese Empfehlung) ungleich stärker als irgendeine anonyme Bewertung anderswo. Man kennt den Facebook-Ratgeberfreund, man schätzt ihn, kann ihn einschätzen. Meist vertraut man ihm. So gewinnen solche persönlichen Bewertungen, gerade auch im Gegensatz zu den oft auch als Fake oder Gefälligkeitsmeinungen wahrgenommenen Irgendwer-Bewertungen, enorm an Gewicht.

Auf dem falschen Fuß erwischt

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Facebook streut solche Art von vertrauenswürdigen und damit auch vertrauensbildenden Bewertungen in ein primär privates, soziales Erlebnis. Man verbringt Zeit bei Facebook wegen der Freunde, der sozialen Interaktion mit ihnen und ist in den allermeisten Fällen nicht hauptsächlich wegen irgendwelcher Produktinformationen oder gar in der Absicht etwas zu kaufen unterwegs. Dies ist ein absolut wichtiger Grund, warum auf Facebook relativ wenig Abverkäufe generiert werden können. Man erwischt die Kunden auf dem falschen Fuß, in der falschen Situation. Genau das haben die meisten Social Media Experten während des großen Booms vor einem Jahr nicht beachtet. Deshalb funktionieren Onlineshops auf Facebook nicht. Deswegen werden Werbeanzeigen auf Facebook, im Gegensatz zur Googlesuche, manchmal sogar als störend empfunden.

Man trifft den potenziellen Kunden auf Facebook sozusagen privat. Was empfinden Sie, wenn Teppichverkäufer oder Zeitschriftenabodrücker an Ihrer Haustür klingeln, während Sie gerade ausgiebig mit der besten Freundin telefonieren? Was würden Sie davon halten, wenn mitten in ein spannendes Fußball-Expertengespräch mit einem guten Freund irgendein Versicherungsvertreter platzt und versucht Ihnen eine Zahnzusatzversicherung aufzuschwatzen? Richtig, Sie empfinden ein solches Benehmen als deplatziert, störend und ungehörig.

  • 50% der Facebook-Nutzer möchten von Marken oder Unternehmen nicht belästigt werden!

Erfahren Sie über Facebook aber, daß sich Ihr Freund eine neue Bohrmaschine geleistet hat und diese auch noch für toll und empfehlenswert hält oder berichtet die beste Freundin online über die letzte Klamotten-Shoppingtour und lädt auch gleich ein paar Bilder mit dem neuen Kleid mit etwas gewagtem Ausschnitt oder der wie angegossen sitzenden Jeans hoch, fühlen Sie sich garantiert nicht gestört, sondern erst richtig informiert. Vielleicht sind diese Botschaften auch so wichtig, daß Sie diese umgehend mit anderen Freunden teilen und besprechen müssen? Dann ist das Social Media pur. Wird der Händler und/oder die Marke auch noch positiv erwähnt, ist das schon wieder ein guter Teil Social Commerce.

Facebook funktioniert am besten über die private Schiene. Facebook ist für die allermeisten Menschen nun einmal eine private Veranstaltung. Dies sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn man sich mit Facebook-Marketing beschäftigt. Wir alle haben eine Privatsphäre und erwarten, daß diese auch respektiert wird, gerade auch von Firmen und Verkäufern. Der eine oder andere ist zwar extrovertierter und mitteilungsbedürftiger, postet Bilder oder berichtet Dinge, die bei anderen, weniger offenen Menschen unter “Geht andere nichts an” fallen würden, aber diese Dinge werden absichtlich immer nur an Freunde und Bekannte weitergegeben. Man weiß zwar irgendwie, daß Facebook viele Daten sammelt, nutzt oder auch weitergibt. Dies wird als irgendwie notwendiges Übel toleriert und, weil man es nicht ändern kann, hingenommen, aber niemand, hätte er die Wahl, würde diese Informationen freiwillig und vor allem auch ohne Gegenleistung irgendwelchen Firmen zur Verfügung stellen.  Deshalb muss man als Firma bzw. Verkäufer seine Marketing-Aktivitäten auf Facebook sehr sensibel und sorgfältig planen und umsetzen. Eben weil man die Empfänger der Werbebotschaften in einer sensiblen, weil privaten Situation anspricht.

Das soziale Suchergebnis

Anders ist es, wenn Menschen im Internet aktiv nach Informationen suchen.

  • 90% der Internetnutzer informieren sich online, bevor sie ein Produkt kaufen!

Hier wenden Sie sich nicht an Freunde oder Nachbarn. Hier verlassen sie ihre Privatsphäre oder würden Sie die Googlesuche als privat empfinden? Merken Sie den Unterschied? Bei Facebook wird ein überschaubares Maß an unaufdringlichen Produktinformationen in der eigenen Privatsphäre als leider notwendiges Übel hingenommen. Bei Google dagegen erwartet man genau solche Produktinformationen, wenn man die entsprechenden Suchwörter eingibt. Bei Facebook konsumiert man den größten Teil der Produktinformationen passiv. Bei Google sucht man aktiv. Das ist ein Riesenunterschied.

Andererseits sind die Informationen, die man bei Google erhält aus den unterschiedlichsten Quellen: Von seriösen Webseiten oder Betrügern, echte Informationen oder Reklame, versteckt oder ganz offen. Wer bei Google sucht, muss nicht nur die Informationen selbst auf ihren Wert und auch die Richtigkeit prüfen, sondern vor allem auch die Quelle der Informationen in Bezug auf Vertrauen, Seriösität und vor allem die Absicht, dien hinter dem Angebot steckt, beurteilen und bewerten. Wussten Sie, daß die nach der Startseite eine der am häufigsten aufgerufenen Seiten auf vielen Webseiten die “Über uns/mich”-Seiten sind? Der Googlenutzer muss sich immer erst auch ein Bild des Anbieters machen.

Was wäre hier der Idealfall? Genau, der (Zu)Fall, daß dem Googlenutzer die Informationsquelle bekannt und im besten Falle vertraut ist. So vertraut wie ein Freund auf Facebook. Dann hätten die Informationen den gleichen Stellenwert wie die Facebook-Empfehlungen der Facebookfreunde, würden den Empfänger aber in einer ganz anderen, ja schon beinahe idealen Situation erreichen. Nämlich genau in dem Moment, wo er diese Freundesempfehlungen vielleicht nicht explizit sucht, sie ihm aber umso wichtiger sind. Stellen Sie sich einmal vor, bei Google würde Ihnen angezeigt, ob ein Freund eine Information für empfehlenswert hält oder es werden Ihnen gleich entsprechende Bewertungen von Freunden angezeigt, die diese in Zusammenhang mit den gesuchten Produktinformationen, abgegeben haben.  Was würden diese Informationen für eine Stellenwert haben? Genau die richtigen Informationen zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle? Volltreffer!

Das wäre dann sozusagen das soziale Suchergebnis. Alles nur Utopie? Marketing-Wunschdenken? Ganz und gar nicht! Das ist die Realität!

Die soziale Suchmaschine

Die Produktsuche wird nicht, wie oft zu lesen ist, ins Social Web abdriften. Das Gegenteil ist der Fall, Social Media wird die Produktsuche ergänzen und damit sozialer machen. Die Kombination von beidem ist der neue Trend und ich wage zu behaupten, dieser wird sich eher bei der Googlesuche als bei Facebook manifestieren. Einfach deshalb, weil die Nutzer bei Google aktiv nach solchen Informationen suchen. Klar, ich finde auch  bei Facebook interessante und relevante Informationen zu Produkten und Dienstleistungen, aber eher zufällig, wenn Freunde oder Fans mich drauf aufmerksam machen.

Will ich aber mehr und vor allem, konkretere, tiefergehende Informationen aus möglichst objektiven Quellen, suche ich bei Google. Ich bin natürlich nicht unbedingt beispielhaft für die große Masse der Facebooknutzer, aber man sieht es an den Zahlen oben: Geld ausgeben auf Facebook funktioniert (noch) nicht. Produktempfehlungen dagegen schon eher. Es ist also durchaus wichtig Facebook als Teil des Marketing-Mixes mit den Firmenwebseiten, Blogs und Shops zu verbinden. Facebook generiert Traffic, erhöht die Bekanntheit, schafft Kontakte und ermöglicht Kundenkommunikation, ist sozial, aber verkauft wird eben doch im Onlineshop.

Google hat sein soziales Netzwerk nicht umsonst konsequent suchmaschinenfreundlich entwickelt. Alle Inhalte sind leicht für Suchroboter zugänglich. Dahinter steckt natürlich ein Plan. Schon jetzt kann man sein Google+-Profil mit einem Beitrag oder gar der kompletten Webseite verbinden. Die Google-Suchergebnisse werden dann mit dem eigenen Google+-Logo und den Links zu den zwei aktuellesten Beiträge versehen. Stellen Sie sich einmal vor: Ein Google-Suchergebnis präsentiert mit ihren Foto oder Ihrem Firmenlogo! Was für ein prima Branding! Schauen Sie es sich doch einmal an:

Die soziale AdWords-Anzeige

Was in den Google-Suchergebnissen möglich ist, funktioniert auch bei Google-AdWords. Auch hier können die Anzeigetexte jetzt schon um soziale Informationen von Google+ bzw. dem Google-Nutzerprofil erweitert werden. Vielen aufgefallen ist hier vielleicht schon die Einblendung der 1+-Anzeige. Dies kann man freischalten durch das Aktivieren der sogenannten Profilerweiterung. Danach werden dann die +1-Bewertungen aller Unterseiten und der Google+-Seite gesammelt in den Anzeigen eingeblendet. Hat jetzt ein Freund des Suchenden schon eine positive Bewertung auf der Webseite des Unternehmens abgegeben, wird diese dem Suchenden natürlich bevorzugt angezeigt. Die AdWords-Anzeige wird sozial.

Der soziale Tipp:

Lassen Sie Google+ nicht aus den Augen! Pflegen Sie Ihr Profil oder richten Sie sich unbedingt bald eines ein, wenn Sie noch keines haben. Google+ ist ein soziales Netzwerk mit besten Kontakten zur weltweit dominierenden Suchmaschine, eben Google selbst. Facebook kann da nicht mithalten. Und in Verbindung mit AdWords und AdSense ergeben sich völlig neue Möglichkeiten des Social Brandings und auch des Social Commerce. Sehen Sie das große Ganze. Social Commerce beschränkt sich nicht auf das Thema Verkaufen auf Facebook. Social Commerce wird sich durchsetzen in Verbindung mit den schon klassischen Medien wie Webseiten, Blogs, Onlineshops, Suchmaschinen, Mobile Commerce, usw. Und so wird Social Commerce auch erfolgreich werden. Als wichtiger, weil sozialer und emotionaler Teil des Verkaufsprozesses und nicht als alleiniger Heilsbringer.

Das ändert aber nichts daran, daß man sich mit diesem Thema ausführlich beschäftigen sollten. Gerade weil F-Commerce komplexer und auch komplizierter ist, als man vor ein paar Monaten noch glaubte, es eben keine einfachen Patentrezepte gibt, heißt es ständig am Ball zu bleiben und die Augen aufzuhalten.

Weil ich diese Entwicklung gerade für Verkäufer als sehr wichtig ansehen, werde ich Ihnen in Kürze in einem separaten Workshop zeigen, wie man eine Google+-Firmenseite einrichtet und optimiert. Darin zeige ich Ihnen dann auch, wie Sie Ihr Foto in die Google-Suchergebnisse und Ihre Bewertungen in die AdWords Anzeigentexte bekommen.

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PS: Ach übrigens, das Modethema diesen Jahres scheint das Thema Mobile Marketing zu werden. Wahrscheinlich wird auch zu diesem Thema wieder jede Menge heißer Luft produziert :-) Es werden die tollsten Ideen und Projekte entwickelt und …. wieder verworfen. Was aber jetzt schon auffällt. Die stark zunehmende mobile Nutzung des Internets wird auch dem Social-Media neuen Auftrieb geben, denn mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones und Tablets, steigt auch die mobile Nutzung der verschiedenen Social-Media-Kanäle. Und auch das klassische E-Mail-Marketing wird von den neuen mobilen Möglichkeiten profitieren. 77,3 Prozent derer, die mobil E-Mails abrufen, nutzen auch Social-Media mobil, wobei sich das mobile E-Mail-Marketing eher als Besuchergenerator für den klassischen Onlineshop eignet. Voraussetzung hier ist natürlich eine mobil-optimierte Shop-Präsentation.

Aber das ist wieder ein anderes Thema, welchem ich vielleicht einen eigenen Artikel widmen werden, denn gerade digitale Medien wie eBooks oder andere Infoprodukte, wenn man sie für die mobilen Endgeräte optimiert, eignen sich ideal zum Vertrieb über mobile Kanäle.

Sollten Sie es bis zum Ende dieses Artikels geschafft haben :-) , würde ich mich über Ihr Feedback freuen, ob und welche Erfahrungen Sie persönlich mit Social Media und i m Besonderen auch der kommerziellen Nutzung von Facebook gemacht haben.

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Sandra Christiansen
Sandra Christiansen
Dipl. Multimedia Producer, ist Expertin für Online-Marketing mit über
15 Jahren Erfahrung und Gründerin der InternetUnternehmerAkademie, die sich in 5 Jahren zu einem der größten Schulungs-Portale für Online-Marketing und Website-Erstellung entwickelt hat.
Sie unterstützt andere Menschen mit Leidenschaft nach dem Motto "Mit dem richtigen Wissen und Duchhaltevermögen ist Erfolg im Online-Business für jeden möglich!"

Comments ( 10 )

  • Hallo Sandra,

    da hast du aber einen vom Leder gelassen :-)
    Ich habe bisher keinen besseren und ehrlicheren Artikel über diesen „Social-Media-Hype“ in Bezug aufs Geldverdienen gelesen.
    Du hast es genau auf den Punkt gebracht mit der „Guru-Vererbung“, so will ich es einmal nennen, die es leider nicht nur bei den Sozialen Netzen gibt.
    Nein, auch im allgemeinen Internetmarketing ist es ein Phänomen, dass jeder, der z.B. ein Ebook zum Thema „Geldverdienen im Internet“ liest, sich meistens auch gleich als Guru hält und sogleich loslegt um das erlangte „gesunde Halbwissen“ (meist nur Theorie) gleich wieder gewinnbringend an den Mann (Frau) bringen will.
    Die wenigen, wirklich guten Internetmarketer (und davon gibt es nun mal nicht so viele), die haben gut mit diesem Hype verdient.
    Man muss natürlich auch sagen, dass keiner im Vorwege bei so einem Hype die Vorhersage treffen kann, wie es sich entwickelt – aber wie immer ist man im Nachherein schlauer!

    Die Sozialen Netzwerke haben alle ihre Berechtigung in bestimmten Bereichen, aber man sollte nicht gleich versuchen, alles zum Geldverdienen zu „mißbrauchen“.
    Man kann zwar auf eine Waschmaschine „Porsche“ raufschreiben, aber dass man damit von A nach B fahren kann ist Humbug.
    Aber es wird Leute geben, die es so gut vermitteln können, dass es wiederum Leute geben wird, die es glauben……..in diesem Sinne

    Schöne Grüße
    Torsten

  • Christian

    Hallo Sandra,

    vermutlich sind Sie momentan die einzige im gesamten deutschsprachigen Raum, welche einen so umfassenden und hintergründigen Artikel veröffentlicht.
    Wenn nach dem 30.03.2012 Facebook ein neues Gesicht und neue Bedingungen umsetzt, wird es für viele Fanpages wohl einige Überraschungen geben. Im schlimmsten Fall Löschung ohne Ankündigung und Begründung. Auf Facebook wurde und wird nach wie vor direkt verkauft. Eigentlich ist dies ein Hype von den Top Marketern denen es gelungen ist andere Marketer zum Kauf zu verführen wobei in erster Linie sie selbst eine Menge Geld verdienten. Ich war bei einigen Launches als Affilate dabei. Nach 2-3 Monaten war die Luft schon so dünn das auch die heissersehnten Folgeprovisionen ausblieben. Kursabbrüche von geworbenene Teilnehmern mit monatlichen Zahlungen wurden schon zum wöchendlichen Standard. Kein Mensch kräht mehr danach – jedoch nur so lange, bis ein anderer ein „neues“ Social Media Produkt auflegt und das gleiche Spiel beginnt wieder von vorne.

    Selbst habe ich im Bereich Social Media noch wenig Erfahrungen. Stück für Stück habe ich mir Xing, LinkedIn, Twitter, Google+ und eine private Facebook Seite eingerichtet. Die Seiten habe ich nicht gepuscht (zig 1000 Fans etc) da ich noch immer die Hintergründe erforsche wie Social Media wirklich funktioniert. Ihr Arktikel kam mir wie gerufen.

    Speziell interessiert mich die professionelle Einrichtung von Google+ Soweit ich es heute einschätzen kann sehe ich Google+ als Basis für den gesamten Social Media Bereich. Auf Ihren separaten Workshop wie man eine Google+-Firmenseite einrichtet bin ich schon sehr gespannt. Das werde ich als nächstes in Angriff nehmen.

    Viele Grüsse
    Christian

  • Pingback:Kann man mit Facebook Geld verdienen? : Reseller-Magazin

  • Guten Abend Sandra, die intelligente, auch relativ gefühlsbetonte und doch strenge Logik deines interessanten Artikels besticht. Als absoluter Neueinsteiger ist von mir das schlüssig Dargestellte nur nachzuvollziehen, von Erfahrung kann bei mir nicht die Rede sein. Gern schreibe ich über die, wenn sie deutlich wird. Danke für die sachdienlichen Hinweise, welche Zeit sparen bzw. besser aufteilen helfen.
    Voraussagen für die Zukunft sind ja unmöglich, aber die vernünftige Abgrenzung von Wunschdenken und „unternehmerischem Risiko“ ist für viele sicher hilfreich.
    Die Kommentare von Torsten und Christian sind in ihren Einschätzungen ja ähnlich meinem. Auch ich hoffe darauf, dass Google+ für die Gemeinschaft und damit für mich einen Schritt nach vorn in Richtung wirkungsvolles soziales Netzwerk bringt.

    Herzliche Grüße

    Siegfried

  • Ein sehr ausführlicher, tiefgreifender Artikel. Es ist meiner Erfahrung nach so: Social Networks sind überwiegend kostenlos, sie fügen sich also nahtlos in die „Geiz-ist-Geil“ Kultur ein. Versucht nun jemand, über ein solches Netzwerk etwas zu verkaufen, kommt sofort Misstrauen und Ablehnung auf. Das ist so, als würde Facebook plötzlich Gebühren verlangen – die Mitgliederzahl würde sofort drastisch sinken. Social & Commerce passen einfach nicht zusammen, denn Commerce ist nicht social!

  • Rene

    Wie Markus unten schon schrieb:“Social & Commerce passen einfach nicht zusammen, denn Commerce ist nicht social!“ … stimmt im Allgemeinen, trifft aber sicher nicht auf alle Plattformen zu. Meine Erfahrungen sind: Twitter bringt Klicks, Facebook ist gut für die private Kommunikation und zum Promoten, Xing ist gut für Geschäfts-Kontakte, aus denen sich Umsatz entwickeln kann (aber auch da wollen fast Alle irgendwas verkaufen), Google+ ist auch eher was für Kontakte, mehr auch nicht, mit Mr. Wong hab ich suchmaschinenmäßig zumindest bei Google die besten Listungs-Erfahrungen gemacht …. aber jeder Link ist Promotion, egal wo. Bleibt eigentlich nur eine ordentliche Streuung oder nach wie vor eine gute Position bei Google. Besucher sind keine Käufer, erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit. Geld verdienen mit Produkten ist erheblich schwer geworden (außer Nischenprodukte), da zuviel im Angebot. Dann lieber Geldverdienen mit Artikeln, schreiben oder posten… auch Linkverkauf geht ganz gut. Allen viel Erfolg!!!!

  • Philipp Strauß

    Hi Sandra, ich muss Rene Recht geben. Facebook ist vornehmlich dazu da um Freundschaften zu pflegen und ein bisschen zu netzwerken. Eine Homepage verfolgt im besten Falle den Verkauf. Aber: Facebook kann man sehrwohl dazu nutzen um den Hunger nach mehr beim Besucher auszulösen, um in zweiter Instanz den Besucher auf die eigentliche Verkaufsseite zu bekommen. Ich habe zwar selbst eine Facebbook Firmenseite, allerdings bin ich mir über den „Nurten“ selbst noch nicht ganz im klaren.
    Liebe Grüße

    Philipp Strauß

  • Hallo Sandra,
    ein (fast) vernichtendes Urteil über Facebook also. Was die Möglichkeiten angeht, als Merchant oder als Affiliate Geld zu verdienen. Sieht es mit Twitter nicht besser aus? Ich werde mich jetzt einmal ernsthaft mit Google+ beschäftigen. Einen Account habe ich schon. Dabei bleibt die spannende Frage, ob die User von Google+ denn eher geneigt sein werden, eine Produkt zu kaufen. Also Geld auszugeben

  • Sehr guter Bericht !
    Ich bin mit meiner Seite auf 16000 likes gekommen in 2 Monaten , dies drueckt meine Zugriffe auf der Webseite sehr nach oben …

    Der Verkauf an sich ist da eher schwach in FB …

    Ich werde mich eingehender mit Google+ beschaeftigen.

  • Pingback:Warum Facebookmarketing nichts taugt und du damit aufhören solltest › Jana Mänz - Fotografin, Buchautorin, Mentorin

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